Review: Die Azteken / The Aztecs

Exhibition in the Linden-Museum Stuttgart, Weltmuseum Wien and Volkenkundemuseum Leiden

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Ausstellung im Linden-Museum Stuttgart, Weltmuseum Wien und Volkenkundemuseum Leiden

Die Spanier hatten das Ziel, alles zu zerstören. Ein kultureller Genozid, der auch fast gelang. Einige Objekte überlebten dennoch, und vieles lebte in den Köpfen der Menschen weiter, sodass es uns durch mündliche Überlieferung erhalten geblieben ist. 

Die Ausstellung im Weltmuseum Wien brachte dem Besucher Beträchtliches dieser Kultur durch vielseitige Präsentationen und Vermittlung nahe. So gab es etwa gleich am Anfang nach dem Eintritt in die Hallen des Weltmuseums eine große digitale Bildwand, auf deren Rückseite eine Zeittafel mit dem historischen Verlauf angebracht ist. Ringsherum gibt es verschiedene Objekte zu sehen.

Die Vernichtungen der Spanier überlebten nur rund 20 Bücher. Die, die überlebten, hatten das Glück, von den Spaniern als Kuriosität angesehen zu werden, und deshalb nach Europa transferiert zu werden. Man bedenke, dass zeitgleich im Europa des 16. Jh. die Wunderkammern entstanden, wo Herrscher wie Rudolf II. erstaunliche Objekte aus der ganzen Welt sammelten. In der frühen Kolonialzeit wurden aber weiterhin Bücher verfasst. Einer dieser Codices, wie diese Bücher auch genannt werden, ist in der Ausstellung zu sehen. Heute sind diese bedeutende Primärquellen über die indigene Kultur.

Leider sind aber keine Codices erhalten geblieben, die Informationen über die vorkoloniale Geschichte der Azteken liefern könnten. Dieses Problem betrifft auch die anderen indigenen Kulturen vor der Eroberung durch die Europäer. Vieles wurde während der spanischen Kolonialzeit verfasst, und ist mit christlichen Glaubenselementen vermischt. Historiker, die nun glauben, dass diese wahre Tatsachen berichten, werden nach vertiefendem Studium dieser Quellen enttäuscht, da sich diese als sehr zweifelhaft herausstellen.

Im zweiten Raum ist die Wand mit verschiedenen Erklärungen und Illustrationen zu einzelnen Nahrungsmitteln wie Mais, Agave, Chili, Jaguar etc. versehen, die anschaulich verdeutlichen, welche Bedeutung diese für die Azteken hatten. Dabei war der Mais (auf Nahuatl „centli“) für Mesoamerika fast das wichtigste Grundnahrungsmittel. Nach ihm richtete sich der Kalender und auch mehrere Gottheiten waren ihm zugeteilt.

Schon bei der Ankunft von Hernan Cortez waren er und seine Begleiter vom Wohlstand und dem Reichtum der Azteken sehr beeindruckt. Sie sahen, welche Vielfalt auf den Märkten der Indigenen angeboten wurde. Das hatte seinen Grund darin, dass hier mehrere ökologische Zonen beisammen lagen und dadurch die Menschen in der einen das wollten, was es in ihrer nicht gab aber in der anderen vorhanden war.

Die Spanier drangen nach ihrer Ankunft angeblich mit Hilfe eines Volkes, dass sich durch die hohen Tributzahlungen an die Azteken unterdrückt fühlte, schnell zur Hauptstadt des Aztekenreichs, Tenochtitlan, vor. Als die ersten Entdecker diese Stadt erblickten, zogen sie in den ersten Berichten Parallelen zu Venedig oder Sevilla. Die Einwohnerzahl war ähnlich wie in Venedig, das zu dieser Zeit eine der größten Städte Europas war. Tenochtitlan hatte 150.000 Einwohner, und im ganzen Hochtal lebten ca. 325.000 bis 350.000 Menschen. Die Stadt zeichnete sich durch eine hervorragende Stadtplanung aus, was an der Karte ersichtlich ist, die im Brief von Hernán Cortes an Kaiser Karl V. enthalten ist. Ähnlich dem römischen System mit Decumanus und Cardo wird die Stadt durch zwei Achsen in vier Viertel geteilt. An der Sonnenachse stand die Doppelpyramide des Templo Mayor als Mittelpunkt des nicht weltlichen Bereichs. 

Ausgrabungen von Manuel Gamio und Entdeckung des Templo Mayor im Jahr 1914 © Proyecto Templo Mayor, Foto: Anonym

Die Ausgrabungen von Eduardo Matos Moctezuma und die vollständige Freilegung des Templo Mayor im Jahr 1978  © Proyecto Templo Mayor, Foto: Anonym

Die zerstörerische Belagerung Tenochtitlans fand zwischen Mai und August 1521 statt. Die Stadt blieb aber auch unter den Spaniern Hauptstadt des Kolonialreichs, und wurde schließlich in Mexico-Stadt umbenannt. 

Die Azteken waren nur eine von vielen Kulturen, die in Lateinamerika vor der Ankunft der Spanier lebten. Sie stammten vom Volk der Mexica ab, wobei der Name Azteken sich vom mythischen Ursprungsort Aztlán herleitet. Im 13. Jahrhundert gründeten sie Tenochtitlan am Westufer des Texcoco-Sees beim Hügel Chapultepec. Sie entwickelten sich bald zur vorherrschenden Macht in Zentralmexiko, und regierten in einem Dreibund mit den angrenzenden Stadtstaaten Texcoco und Tlacopan.

Die Ausstellung ist kinderfreundlich aufbereitet, und gleichzeitig auch äußerst (ent-)spannend und lebendig für Erwachsene. Es gibt riesige Karten und Darstellungen an der Wand, es wird mit Projektionen gearbeitet, bei denen Skulpturen zu sehen sind, und es ist eine Metalltreppe aufgestellt, die eine Pyramide symbolisieren oder andeuten soll. Eine Statue wird im Dunkeln von Licht, wie durch Theaterscheinwerfer, plastisch hervorgehoben. Den Schlusspunkt der Ausstellung setzt ein Film, der auf einen runden Stein projiziert wird und die aztekische Geschichte von der Erschaffung der Welt erzählt.

Ausstellungsansichten: Die Ausstellung zeigt aztekische Skulpturen, die eindrucksvoll beleuchtet sind und den Besuch genießen lassen. Abb. unten: Ein Film zeigt die aztekisch-mythologische Geschichte der Erschaffung der Welt. Die erfrischende Präsentation in der Ausstellung hebt sich von anderen Kunst-Schauen in Wien ab. © Fotos: KHM-Museumsverband


Text in English

The Spanish conquistators’ aim was to destroy everything. A cultural genozide, which in itself was a success. Some objects survived nonetheless, and much continued to live in the heads of the people, and it is preserved until today through oral tradition.

The exhibition in the Weltmuseum Wien showed a considerable amount of knowledge through a great variety of presentations and communication methods. In example, right after the beginning there was a big digital picture wall, which had on its back a time table with the historic developments. The wall was surrounded by many Aztec objects.

Only about 20 books survived the destructions of the Spanish conquistators. The ones which survived had the luck to be seen by the Spanish as curiosities, and therefore be transferred to Europe. Think that at the same time in Europe the curiousity cabinets and chambers of wonder established itself. Emperors like Rudolf II collected wonderful items from the whole world. Though, in early colonial times, there would still be written books, and one of these codices, how these books are called, is to be seen in the exhibition. Today they are significant primary sources about the indigenous culture.

Unfortunately no codices remained, which tell us about the pre-colonial history of the Aztec culture. This problem is also significant for the other indigenous cultures which existed before the European conquest. Much was written during the Spanish colonial times, and is mixed up with elements of the christian faith. Historians, who belief that these are reporting true events and occurrences, will be disappointed by these sources, because they will become apparent as very dubious.

In the second room the wall has various explanations and illustrations to nourishments like corn, agave, chili, jaguar etc., which let the viewer understand, what meanings they had for the Aztecs. Besides this corn (in Nahuatl “centli”) was the most important basic nourishment for Mesoamerica. The calendar complied with it and several gods were assigned to it.

Already as Hernan Cortez arrived in Mexico he and his companions were very impressed by the wealth and richness of the Aztecs. They saw what great variety the markets of the indigenes had to offer. The reason of this was because in this area met several ecological zones, and so people in the one area wanted the things they didn’t have, but which were available in the other area.

It is said that the Spanish conquistadores got as far as Tenochtitlan with the help of a indigenous people, which felt discriminated by the high tribute payments for the Aztecs. As the first discoverers saw the town, they were impressed and compared it with cities like Venice or Sevilla. In fact, the number of inhabitants was similar to that of Venice at that time, which was one of the largest towns in Europe. Tenochtitlan had 150,000 inhabitants and in the whole valley there lived about 325,000 to 350,000 people. The city planning was remarkably, which can be seen at the map, which is preserved in the letter of Hernán Cortes to Emperor Charles V. Similar to the roman system with cardo and decumanus the city is divided by two axis into four quarters. The center of the non mundane area was the double pyramid of the Temple Mayor, which stood at the so called axis of the sun.

Between May and August 1521 the city was destructively besieged. Though Tenochtitlan also was under the regime of the Spaniards capital of the colonial empire, and finally they renamed it to Mexico City.

The Aztecs only were one among many cultures, which lived in Latin America before the arrival of the Spanish. They descended from the people of Mexica. The name “Aztecs” derives originally from the mythical word “Aztlán”. During the 13th century they founded Tenochtitlan on the western shores of the Texcoco lake at the hill Chapultepec. Soon they became the predominant power of central Mexico. They ruled together with the neighboring city states Texcoco and Tlacopan.

The exhibition is presented friendly towards children and it is at the same time very relaxing but also exciting for adults. There are large maps and designs on the walls. The curators installed projections, that throw lights onto sculptures, and visitors can view a metal stair, that symbolizes a pyramid. Spotlights enlighten statues very plastically in the darkness. Finally, when the visitor has wandered through the whole exhibition, there’s a film shown, projected onto a round stone, and shows the Aztec story of the origins of the world.

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