Bruno Gironcoli im Mumok, Wien

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Bruno Gironcoli – sein Name ist am geläufigsten mit Skulpturen verbunden. Weniger bekannt ist aber, dass seine Tätigkeit als Bildhauer mit einer intensiven grafischen Produktion verbunden war. Diesem Fakt kommt die Ausstellung „In der Arbeit schüchtern bleiben“ in Museum moderner Kunst in Wien nach.

Der 1836 in Villach geborene und 2010 verstorbene Gironcoli war neben Maria Lassnig einer der wenigen Vertreter der von den internationalen Richtungen der Abstraktion der 60er beeinflussten Kunst in Österreich.

Die Skulpturen befinden sich in der Mitte der Räume, und sind so aufgestellt, dass die Grafiken an den Wänden dazu in Bezug gesetzt sind. Auffallend ist, dass Gironcoli äußerst viele Werke der Ausstellung mit Metallpulverfarbe schuf. Dazu kam dann meist noch Tusche. Effekt sind metallische Farben, und die Suggestion von etwas Kostbarem. Seine Vorliebe dafür kommt nicht von ungefähr – Gironcoli war gelernter Kupfer-, Silber- und Goldschmied. Banale Gegenstände, die er darstellt, werden so in höhere Sphären gehoben.

Die Bilder kann man verschiedentlich deuten – sie laden nach Bedeutungssuche ein. Außerdem scheinen die Blätter eine Geschichte zu zeigen, aber sie bleiben immer rätselhaft. Er zeigt die immer wieder kehrenden Versatzstücke, die er auch in seinen Skulpturen verwendet. Wiederholt kommen Affen vor, die NS-Flagge, der Davidstern, Sensen, Ähren und militärisches Gerät, elektrifizierte Toiletten u. v. m.

Bei einer Serie von Werken aus den 60er und 70er Jahren taucht ein zusammengekauerter Mensch in Rückenansicht immer wieder auf. Gironcoli nennt ihn Lehrling oder Robert, manchmal auch Murphy. Es ist dies eine Schaubühne, die er in immer neuen Variationen zeigt. Der Mensch ist „hineingefallen“ in eine Welt der „Dinge“, die er hier auch zeigt. Ebenfalls dazu gehören mumienhaft Bandagierte, Hunde und hockende Paviane.

Es gibt auch Werke mit düsteren Szenen, die religiösen Bezug haben, oder an eine maschinelle Folter oder futuristische Visionen denken lassen: Eine gespreizte Figur mutiert in einer Serie zu einer Maschine, mit einem Fötus darin liegend.

Die Ausstellung zeigt auch die berühmte „Säule mit Totenkopf“. Bruno Gironcoli kam darauf, als er die Fehler bei der Herstellung von Gipsmodellen sah, und ihn diese zu einer Neubildung des menschlichen Körpers anregten. Allerdings sieht man vor allem eine Installation, die an eine Arbeitsfläche eines Zimmermanns erinnert, ein Sägebrett. Gegenüber in der Ausstellung befinden sich Arbeiten auf Papier, die ein gefesseltes und hineingespanntes Tier auf diesem Brett zeigen. Gironcoli wollte die Arbeit politisieren, und fügte ein Hakenkreuz hinzu. Das Werk wurde auf der Biennale in Sao Paolo gezeigt, aber Gironcoli war enttäuscht, dass es keinerlei Wirkung zeigte.

Der Unterschied zu Duchamps „Ready mades“ ist, dass Duchamp die Alltagsobjekte findet, und Gironcoli sie sucht. „Er entscheidet sich für die ‚Entrückung aus der Wirklichkeit‘ der vorfindlichen Dingwelt“, schreibt Peter Gorsen in seinem Artikel über die Bildhauerei Gironcolis im Ausstellungskatalog.

Die Ausstellung wird auf zwei Etagen gezeigt, sie ist sehr sehenswert. Sie eröffnet einen anderen Blick auf einen der größten österreichischen Nachkriegskünstler und den Bildhauer Gironcoli.

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