“Wege des Pointillismus”-Ausstellung in der Albertina

Zu Beginn der Ausstellung werden Pointillismus und Impressionismus anhand von zwei Bildern gegenübergestellt, um die Unterschiede aufzuzeigen. Dies wird sehr gut veranschaulicht. Es folgt ein Abschnitt, der Georges Seurat gewidmet ist: Er begann mit Kreidezeichnungen, Studien für “Un dimanche à la Grande Jatte”. Von den über 60 Skizzen sind hier einige wenige gezeigt. Auf dieses Bild, das eines der berühmtesten der Kunstgeschichte wurde, antwortete Paul Signac und setzte sich damit intensiv auseinander.

Signac beeinflusste viele andere Künstler für die Bewegung, aber der Erfinder des Pointillismus war Seurat. Er entwickelte 1883/84 das Verfahren des Pointillismus, das u. a. auf der Lehre Chevreuls basierte: Dabei trug er reine Farben in kurzen Strichen auf, schließlich als eine Folge schematisch gesetzter Punkte in ungebrochener Farbe. Die Farben mischen sich daher erst im Auge des Betrachters. Seurat selbst nannte das Verfahren “divisionisme”. Auch der Begriff Neoimpressionismus wurde gewählt, um diese Kunstrichtung zu beschreiben. Die erste Ausstellung eines pointillistischen Gemäldes erfolgte 1884.

Vorwort im Ausstellungskatalog der Albertina:

“Punkte in reiner Farbe, die die Pointillisten dem Prinzip der optischen Farbmischung folgend eng nebeneinandersetzten, generierten eine bis dahin ungekannte Leuchtkraft und eine Vielzahl an Farbimpulsen. Damit wich die realistische Sicht auf die Welt der Darstellung einer synthetischen Wirklichkeit. Der ersten Generation der Pointillisten ging es in ihrer Bildwelt vor allem darum, abstrakte Begrifflichkeiten zum Ausdruck zu bringen.”

Die Bilder waren geprägt durch Flächigkeit und Stilisierung, sowie Bewegungs- und Teilnahmslosigkeit der dargestellten Figuren. Ihre Bilder wurden damit jedoch als “leblos” kritisiert.

Mit dem Tod Seurats kehren viele dem Pointillismus wieder den Rücken. Seurat starb zu früh, um alles zu verwirklichen, was sich in seinem Schaffen als grundlegend für die Malerei am Ausgang des 19. Jh. ankündigte. Neben Cezanne war er derjenige, der andere Künstler maßgeblich beeinflusste.

Der Pointillismus lebte nur durch Signac weiter. Henri Edmond Cross und Paul Signac hatten eine Phase, wo sie in “wurmähnlichen” Linien malten. Das war wieder für Matisse interessant, der durch die beiden beeinflusst wurde. Er dynamisierte seine Farbpunkte und trieb diese in Richtung der Wachstumslinien der Bäume voran. Matisse interessierten nicht die Prinzipien der optischen Mischung, sondern die Zusammenklänge der Farben bei vergleichsweise großen Punktflächen. Damit bereitete Signac auch den Boden vor für Matisse’s Fabfleckenmalerei.

signac-leuchtturm-in-portrieux-opus-183
Signac, Leuchtturm in Portrieux. Opus 183. Er versah seine Bilder mit dem Titel Opus, und wollte dadurch die Nähe der pointillistischen Malerei zur Musik verdeutlichen. Das Werk ist ein idealtypischer Hafen, obwohl die Segelboote wie in einer Fotografie durch den Rand abgeschnitten sind.

 

Van Gogh war ein Mittler für Matisse’s Suche nach einer anderen Richtung, wobei ersterer nur für kurze Zeit in Punkten malte, denn seinem Temperament war dies zuwider. Er lernte von Signac den kurzen, festen Pinselstrich und die Verwendung reiner Farben, aber von der Begegnung mit Seurat war er nachhaltiger beeindruckt und schrieb auch noch längere Zeit darüber. Im “Nachtcafé” drückt die Farbe aber die Emotion eines brennenden Temperaments aus, und hat nichts mehr mit dem realistischen Anblick eines “trompe l’oeil” zu tun.

Die Ausstellung ist von 16.9.2016 bis 8.1.2017 in der Albertina in Wien zu sehen.

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