Eva Leitolf: Postcards from Europe

Ausstellung im Kunsthaus Wien, November 2015

Der die Ausstellung begleitende Überblickstext gibt Auskunft, dass Eva Leitolf “… Konflikte dokumentierte, an denen sich das Thema Migration in Konflikten auf individueller und gesellschaftlicher Ebene manifestiert.”

Ähnlich wie schon bei “Deutsche Bilder – eine Spurensuche 1992-2008” sucht Eva Leitolf Orte an den Außengrenzen und innerhalb der EU auf, wo einmal ein Unglück passiert ist, und fotografiert diese. Die Bilder bestehen aus einer Leere: Man sieht keine Menschen, die etwas tun.

Z. B. Szeged: Ein leerer, verlassener Bahnhof und nur Schatten und Licht, Einödnis, Unkraut, das wuchert, Pflanzen, die aus Spalten im Beton herauswachsen.

Lampedusa ist bei ihr ein Blick auf ein ruhendes Meer. Sonst ist wenig zu sehen. (Dies im Gegensatz zu Pressebildern, wo meistens sehr viel passiert). Es ist nicht erkenntlich, dass es sich um Lampedusa handelt, denn der Ort könnte auch genausogut ein anderer, beliebiger, am Mittelmeer sein.

Erst beim Lesen der dazugehörigen Begleittexte, die auf mitnehmbaren Kärtchen gedruckt sind, wird erkenntlich, weshalb Eva Leitolf die Orte fotografiert hat.
Dies ist aber schon vorher in der Motivik erkenntlich, z. B. in der durch den Sturm zerissenen Coca-Cola Fahne am Strand von Tarifa in Spanien. Hier war während eines Sturmes ein schwerer Unfall, und 23 Einwanderer sanken im Boot.

Die Flüchtlingsdramen, an den jeweiligen Orten, die Eva Leitolf besuchte, recherchierte sie in zugänglichen Zeitungen, Polizeiakten, oder durch Befragungen von Flüchtlingen und Hilfsorganisationen.

Playa de Los Lances, Tarifa, Spanien 2009
Playa de Los Lances, Tarifa, Spanien 2009

Diese Ereignisse “lassen sich nicht in einem Foto oder einer Reportage fassen”, sagt Eva Leitoff in einem YouTube Video auf ihrer Website. Die Bedeutung des Bildes als Leerstelle, als leerer Raum oder Bühne sei ein ganz wichtiger Aspekt ihrer Arbeit. Damit entfalte sich die Geschichte erst im Kopf des Betrachters (mehr erklärt Leitolf auf http://www.evaleitolf.de/interviews.html)

Es gibt keine Spuren von den Ereignissen in den Bildern, da sie die Orte auch lange nach den Ereignissen besuchte. In einer Welt, die überladen von Bildmedien ist, überlässt dies dem Betrachter eine Möglichkeit zur Reflektion (ein Interview mit Leitolf findet sich auf http://www.landscapestories.net/interviews/eva-leitolf?lang=en).

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