Wien-Museum: Exhibition about Otto Wagner and the Viennese Modernism

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Wien-Museum: Ausstellung über Otto Wagner und die Wiener Moderne

Die erste große Otto Wagner Schau im Wien-Museum seit 1963 bemüht sich um eine Korrektur des Bildes von Otto Wagner. Er gilt als einer der größten Jugendstilarchitekten. Die Kuratoren Andreas Nierhaus und Eva-Maria Orosz argumentierten jedoch, dass „dieser Begriff der Radikalität seiner Bauten und Brisanz seiner Themen nicht gerecht wird“. Des Weiteren zeigt diese Ausstellung auch, dass Otto Wagner zu sehr vielen Projekten und architektonischen Umgestaltungen seiner Zeit Entwürfe einreichte, aber oft abgelehnt wurde. Das Moderne hatte sich im Wien um 1900 noch nicht durchgesetzt. Wie wäre es, falls Wagner erfolgreich gewesen wäre? Z. B. würde das Technische Museum heute nicht in einem historischen Stil dastehen. Auch das Stadtmuseum am Karlsplatz wurde nicht nach seinem Entwurf gebaut.

Die Ausstellung zeigt die realisierten Projekte Otto Wagners und seine publizierten Schriften. Rund die Hälfte der entstandenen Bauten, so schätzt man, waren allerdings Miethäuser. Berühmt wurden aber andere: Die Stadtbahn, die Postsparkasse, die Häuser an der Wienzeile, die Kirche am Steinhof, die Wienfluss-Einwallung im Stadtpark. Einflussreiche Schriften Wagners waren „Die Baukunst unserer Zeit“, „Moderne Architektur“ und „Die Großstadt“. Er war auch Professor an der Akademie der Bildenden Künste und seine Moderne wurde bis an die Westküste der Vereinigten Staaten exportiert. Richard Neutra, Frank Lloyd Wright und Rudolf Schindler wurden von ihm beeinflusst. Umgekehrt bekam er wichtige Impulse von der jüngeren Generation.

Fotos, Pläne, Zeichnungen, Objekte wie Stuhl und Schrank aus seinen Wohnungen und Ateliers, Modelle, Banner, Dokumente, Bild- und Videoprojektionen befinden sich in den Räumen. Sogar seine Visitenkarten werden gezeigt. Wahrscheinlich zum ersten Mal, denn das professionelle Beziehungsnetzwerk Otto Wagners ist zu einem großen Teil noch gar nicht wissenschaftlich aufgearbeitet.

Otto Wagner – noch bis 7. Oktober 2018 im Wien Museum am Karlsplatz.

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Wien-Museum: Exhibition about Otto Wagner and the Viennese Modernism

The first great Otto Wagner exhibition since 1963 tries to correct the image of Otto Wagner. He is seen as the greatest architect of Viennese Art Nouveau. The curators Andreas Nierhaus and Eva-Maria Orosz argument, that “this term isn’t right to describe the radicality of his buildings and the brisance of his subjects.” Furthermore this exhibition shows, that Otto Wagner submitted sketches to many projects and architectural redesigns of his time, but was often rejected. The decision makers didn’t agree to his modernism in Vienna around 1900. How would it be today, if Wagner would have been successful? I. e. the Technical Museum would not have been built in a historical style. Also the city museum wasn’t built after his plans.

The exhibition shows the realized projects of Otto Wagner and his published writings. It is estimated that about half of his buildings were residential. Others became famous: the suburban railway, the postal savings bank, the buildings at Wienzeile, the church Am Steinhof, the embankment of the Wien river in the Stadtpark. Influential writings include “The Art of Building of Our Time”, “Modern Architecture” and “The Large Town”. He was also lecturer at the Academy of Fine Arts and his modernism was exported throughout the American west coast influencing Richard Neutra and Frank Lloyd Wright. Vice versa he got important impulses from the younger generation.

Photos, plans, drawings, documents, image- and video projections are in the rooms. Even his business cards are shown. Probably for the first time, because the professional network of Otto Wagner hasn’t been researched to a great extent.

See Otto Wagner at Wien Museums Karlsplatz until 7th October 2018, open from Tuesday to Sunday 10 am to 6 pm

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Bruno Gironcoli im Mumok, Wien

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Bruno Gironcoli – sein Name ist am geläufigsten mit Skulpturen verbunden. Weniger bekannt ist aber, dass seine Tätigkeit als Bildhauer mit einer intensiven grafischen Produktion verbunden war. Diesem Fakt kommt die Ausstellung „In der Arbeit schüchtern bleiben“ in Museum moderner Kunst in Wien nach.

Der 1836 in Villach geborene und 2010 verstorbene Gironcoli war neben Maria Lassnig einer der wenigen Vertreter der von den internationalen Richtungen der Abstraktion der 60er beeinflussten Kunst in Österreich.

Die Skulpturen befinden sich in der Mitte der Räume, und sind so aufgestellt, dass die Grafiken an den Wänden dazu in Bezug gesetzt sind. Auffallend ist, dass Gironcoli äußerst viele Werke der Ausstellung mit Metallpulverfarbe schuf. Dazu kam dann meist noch Tusche. Effekt sind metallische Farben, und die Suggestion von etwas Kostbarem. Seine Vorliebe dafür kommt nicht von ungefähr – Gironcoli war gelernter Kupfer-, Silber- und Goldschmied. Banale Gegenstände, die er darstellt, werden so in höhere Sphären gehoben.

Die Bilder kann man verschiedentlich deuten – sie laden nach Bedeutungssuche ein. Außerdem scheinen die Blätter eine Geschichte zu zeigen, aber sie bleiben immer rätselhaft. Er zeigt die immer wieder kehrenden Versatzstücke, die er auch in seinen Skulpturen verwendet. Wiederholt kommen Affen vor, die NS-Flagge, der Davidstern, Sensen, Ähren und militärisches Gerät, elektrifizierte Toiletten u. v. m.

Bei einer Serie von Werken aus den 60er und 70er Jahren taucht ein zusammengekauerter Mensch in Rückenansicht immer wieder auf. Gironcoli nennt ihn Lehrling oder Robert, manchmal auch Murphy. Es ist dies eine Schaubühne, die er in immer neuen Variationen zeigt. Der Mensch ist „hineingefallen“ in eine Welt der „Dinge“, die er hier auch zeigt. Ebenfalls dazu gehören mumienhaft Bandagierte, Hunde und hockende Paviane.

Es gibt auch Werke mit düsteren Szenen, die religiösen Bezug haben, oder an eine maschinelle Folter oder futuristische Visionen denken lassen: Eine gespreizte Figur mutiert in einer Serie zu einer Maschine, mit einem Fötus darin liegend.

Die Ausstellung zeigt auch die berühmte „Säule mit Totenkopf“. Bruno Gironcoli kam darauf, als er die Fehler bei der Herstellung von Gipsmodellen sah, und ihn diese zu einer Neubildung des menschlichen Körpers anregten. Allerdings sieht man vor allem eine Installation, die an eine Arbeitsfläche eines Zimmermanns erinnert, ein Sägebrett. Gegenüber in der Ausstellung befinden sich Arbeiten auf Papier, die ein gefesseltes und hineingespanntes Tier auf diesem Brett zeigen. Gironcoli wollte die Arbeit politisieren, und fügte ein Hakenkreuz hinzu. Das Werk wurde auf der Biennale in Sao Paolo gezeigt, aber Gironcoli war enttäuscht, dass es keinerlei Wirkung zeigte.

Der Unterschied zu Duchamps „Ready mades“ ist, dass Duchamp die Alltagsobjekte findet, und Gironcoli sie sucht. „Er entscheidet sich für die ‚Entrückung aus der Wirklichkeit‘ der vorfindlichen Dingwelt“, schreibt Peter Gorsen in seinem Artikel über die Bildhauerei Gironcolis im Ausstellungskatalog.

Die Ausstellung wird auf zwei Etagen gezeigt, sie ist sehr sehenswert. Sie eröffnet einen anderen Blick auf einen der größten österreichischen Nachkriegskünstler und den Bildhauer Gironcoli.

Robert Doisneau. From Craft to Art

Exhibition in the Martin Gropius Bau, Berlin

Because of an event of the Berlinale the Martin Gropius house was strongly used. Nethertheless one could see the exhibition about the French photographer Robert Doisneau through the back door. It was arranged by Agnès Sire, the head of the Fondation Henri Cartier-Bresson in Paris. Doisneau and Cartier-Bresson were close friends during their life.

Doisneau’s education in the 20s was that of an engraver and lithographer. His first photographic shots were showing posters and paving stones, because he was too shy to photograph people. His shyness also hindered him later to photograph people closely. 1931 he became assistant of André Vigneau, came into contact with other artists and got to know the great masters of photography. The economic crises in France of these years finished this engagement, but in the end he found the post as an industrial photographer for Renault. Later he became member of the agency Rapho, and could sell his pictures to magazines such as the Vogue, Life, Paris Match and Le Point. His first monography was called “Le banlieue de Paris”. 1955 he was among the photographers who took part in Edward Steichen’s famous exhibition “The Family of Man” in the New Yorker Museum of Modern Art. The sixties were difficult years for him and for photography in general, because new photographers were coming to the market and the press got increasing competition from TV. Finally there was a boom with the founding of the “Rencontres Internationales de la Photographie d’Arles” in 1969 and its recognition of the auteur photography. Following were a range of retrospectives, publications and films about Doisneau’s oeuvre.

His photographs are distinguished through great empathy. At the beginning of the exhibition a Rolleiflex is shown. He preferably used it beside the Leica.

Among the 100 exhibited pictures is also the famous kiss of the lovers, and through it many discovered Doisneau. However, it was – as he admitted at the end of his life – staged. It is not so known, but shown in the exhibition, that it had been a series of kisses, which were published in Life magazine in 1950.

He photographically documented also the Second World War, i. e. the airraid alarm or barricades. Two women, who guide two children playing camouflage and covering themselves with branches and foliage, through the streets and laugh, show very poignant that humour was very important in his oevre. Though he also shows the hard life of these times, i. e. coal collecting children.

A further famous picture shows people holding themselves by their hands, and going in a long row in front of architecture. The vertical line of the houses is parallel to the left edge of the picture, but on the right side of the image it looks as if it had been taken crooked. Through this the image appeals to be spirited and the architectural background suites to the directional movement of the people.

In the exhibition one sees views of the city that lead to street photography. The cityscapes are from everywhere in France, and not only from Paris, from which Doisneau published a separate photo book.

Doisneau also shot portraits, favourably in series, i. e. the series of a butcher and an all over tattooed man. Exact information of persons and places distinguish his working method. With a documentary film about him the exhibition closes.

A catalogue wasn’t offered – apparently for financial reasons.

 

 

Der Martin Gropius Bau war durch eine Veranstaltung der Berlinale stark beansprucht. Nichtsdestotrotz konnte man durch den Hintereingang die Ausstellung über den französischen Fotografen Robert Doisneau besichtigen. Zusammengestellt wurde die Ausstellung von Agnès Sire, der Leiterin der Fondation Henri Cartier-Bresson in Paris. Doisneau und Cartier-Bresson waren Zeit ihres Lebens eng miteinander befreundet.

Doisneau machte in den 20er Jahren eine Ausbildung zum Graveur und Lithographen. Seine ersten fotografischen Aufnahmen waren Plakate und Pflastersteine, da er zu schüchtern war, um Menschen zu fotografieren. Seine Schüchternheit hat ihn auch später daran gehindert, Menschen nahe aufzunehmen. 1931 wurde Doisneau Assistent von André Vigneau, und kam dadurch mit anderen Künstlern in Kontakt bzw. lernte die großen Meister der Fotografie kennen. Die Wirtschaftskrise beendete dieses Engagement, aber er fand schließlich eine Stelle als Industriefotograf für Renault. Später wurde er Mitglied der Agentur Rapho, und konnte seine Bilder Zeitschriften wie der Vogue, Life, Paris Match und Le Point verkaufen. Seine erste Monographie hieß “La banlieue de Paris”. 1955 war er unter den Fotografen, die in der von Edward Steichen kuratierten und berühmten Ausstellung “The Family of Man” im New Yorker Museum of Modern Art zu sehen waren. Die 60er waren harte Jahre, da es an Aufträgen mangelte, und die Presse zunehmende Konkurrenz durch das Fernsehen bekam. Schließlich gab es einen Aufschwung mit der Gründung der “Rencontres Internationales de la Photographie d’Arles” 1969 und deren Anerkennung der Autorenfotografie. Es folgten zahlreiche Retrospektiven, Publikationen und auch Filme über Doisneaus Lebenswerk.

Seine Aufnahmen sind von großer Empathie gekennzeichnet. Am Anfang der Ausstellung wird eine Rolleiflex gezeigt, die er neben der Leica bevorzugt benützte.

Unter den 100 ausgestellten Bildern ist auch der berühmte Kuss des Liebespaares, jenes Foto, das Doisneau weltweit bekannt machte. Es war jedoch – wie er am Ende seines Lebens zugab – eine Pose. Was weniger bekannt ist, aber in der Ausstellung gezeigt wird, ist, dass es eine ganze Serie von Küssen war, die im Life Magazine 1950 veröffentlicht wurde.

Auch den Zweiten Weltkrieg dokumentierte er mit seinen Fotografien, so z. B. den Fliegeralarm oder Barrikaden. Zwei Frauen, die zwei Kinder Camouflage spielend, mit Laub und Ästen bedeckt, im Wagen durch die Straßen führen und dabei lachen, zeigen sehr deutlich, dass Humor eines der größten Merkmale seiner Fotografie war.

Aber er zeigt auch das harte Leben dieser Zeit; etwa Kohle sammelnde Kinder.

Ein weiteres bekanntes Bild ist, wo Menschen sich an den Händen haltend in einer langen Reihe auf einer Böschung vor einer Häuserreihe entlanggehen. Die senkrechte Linie der Häuser ist parallel zum linken Bildrand, aber auf der rechten Bildseite sieht es aus, als wäre es schief aufgenommen. Dadurch wirkt das Bild schwungvoll und der architektonische Hintergrund passt zur Bewegungsrichtung der Menschenreihe.

Man stößt auf Städteansichten, die zur Straßenfotografie überleiten. Dabei befinden sich Städteansichten aus ganz Frankreich, und nicht nur aus Paris, über das es ein eigenes Fotobuch von ihm gibt.

Doisneau schoss auch Porträts, und arbeitete hier vorwiegend in Serien: z. B. die Fotoserien eines Metzgers und eines Ganzkörper-tätowierten Mannes. Genaue Personen- und Ortsangaben kennzeichnen seine Arbeitsmethode. Mit einem Dokumentarfilm über ihn wird die Ausstellung abgeschlossen.

Ein Katalog wurde offenbar aus Kostengründen nicht angeboten.

 

“Wege des Pointillismus”-Ausstellung in der Albertina

Zu Beginn der Ausstellung werden Pointillismus und Impressionismus anhand von zwei Bildern gegenübergestellt, um die Unterschiede aufzuzeigen. Dies wird sehr gut veranschaulicht. Es folgt ein Abschnitt, der Georges Seurat gewidmet ist: Er begann mit Kreidezeichnungen, Studien für “Un dimanche à la Grande Jatte”. Von den über 60 Skizzen sind hier einige wenige gezeigt. Auf dieses Bild, das eines der berühmtesten der Kunstgeschichte wurde, antwortete Paul Signac und setzte sich damit intensiv auseinander.

Signac beeinflusste viele andere Künstler für die Bewegung, aber der Erfinder des Pointillismus war Seurat. Er entwickelte 1883/84 das Verfahren des Pointillismus, das u. a. auf der Lehre Chevreuls basierte: Dabei trug er reine Farben in kurzen Strichen auf, schließlich als eine Folge schematisch gesetzter Punkte in ungebrochener Farbe. Die Farben mischen sich daher erst im Auge des Betrachters. Seurat selbst nannte das Verfahren “divisionisme”. Auch der Begriff Neoimpressionismus wurde gewählt, um diese Kunstrichtung zu beschreiben. Die erste Ausstellung eines pointillistischen Gemäldes erfolgte 1884.

Vorwort im Ausstellungskatalog der Albertina:

“Punkte in reiner Farbe, die die Pointillisten dem Prinzip der optischen Farbmischung folgend eng nebeneinandersetzten, generierten eine bis dahin ungekannte Leuchtkraft und eine Vielzahl an Farbimpulsen. Damit wich die realistische Sicht auf die Welt der Darstellung einer synthetischen Wirklichkeit. Der ersten Generation der Pointillisten ging es in ihrer Bildwelt vor allem darum, abstrakte Begrifflichkeiten zum Ausdruck zu bringen.”

Die Bilder waren geprägt durch Flächigkeit und Stilisierung, sowie Bewegungs- und Teilnahmslosigkeit der dargestellten Figuren. Ihre Bilder wurden damit jedoch als “leblos” kritisiert.

Mit dem Tod Seurats kehren viele dem Pointillismus wieder den Rücken. Seurat starb zu früh, um alles zu verwirklichen, was sich in seinem Schaffen als grundlegend für die Malerei am Ausgang des 19. Jh. ankündigte. Neben Cezanne war er derjenige, der andere Künstler maßgeblich beeinflusste.

Der Pointillismus lebte nur durch Signac weiter. Henri Edmond Cross und Paul Signac hatten eine Phase, wo sie in “wurmähnlichen” Linien malten. Das war wieder für Matisse interessant, der durch die beiden beeinflusst wurde. Er dynamisierte seine Farbpunkte und trieb diese in Richtung der Wachstumslinien der Bäume voran. Matisse interessierten nicht die Prinzipien der optischen Mischung, sondern die Zusammenklänge der Farben bei vergleichsweise großen Punktflächen. Damit bereitete Signac auch den Boden vor für Matisse’s Fabfleckenmalerei.

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Signac, Leuchtturm in Portrieux. Opus 183. Er versah seine Bilder mit dem Titel Opus, und wollte dadurch die Nähe der pointillistischen Malerei zur Musik verdeutlichen. Das Werk ist ein idealtypischer Hafen, obwohl die Segelboote wie in einer Fotografie durch den Rand abgeschnitten sind.

 

Van Gogh war ein Mittler für Matisse’s Suche nach einer anderen Richtung, wobei ersterer nur für kurze Zeit in Punkten malte, denn seinem Temperament war dies zuwider. Er lernte von Signac den kurzen, festen Pinselstrich und die Verwendung reiner Farben, aber von der Begegnung mit Seurat war er nachhaltiger beeindruckt und schrieb auch noch längere Zeit darüber. Im “Nachtcafé” drückt die Farbe aber die Emotion eines brennenden Temperaments aus, und hat nichts mehr mit dem realistischen Anblick eines “trompe l’oeil” zu tun.

Die Ausstellung ist von 16.9.2016 bis 8.1.2017 in der Albertina in Wien zu sehen.

Eva Leitolf: Postcards from Europe

Ausstellung im Kunsthaus Wien, November 2015

Der die Ausstellung begleitende Überblickstext gibt Auskunft, dass Eva Leitolf “… Konflikte dokumentierte, an denen sich das Thema Migration in Konflikten auf individueller und gesellschaftlicher Ebene manifestiert.”

Ähnlich wie schon bei “Deutsche Bilder – eine Spurensuche 1992-2008” sucht Eva Leitolf Orte an den Außengrenzen und innerhalb der EU auf, wo einmal ein Unglück passiert ist, und fotografiert diese. Die Bilder bestehen aus einer Leere: Man sieht keine Menschen, die etwas tun.

Z. B. Szeged: Ein leerer, verlassener Bahnhof und nur Schatten und Licht, Einödnis, Unkraut, das wuchert, Pflanzen, die aus Spalten im Beton herauswachsen.

Lampedusa ist bei ihr ein Blick auf ein ruhendes Meer. Sonst ist wenig zu sehen. (Dies im Gegensatz zu Pressebildern, wo meistens sehr viel passiert). Es ist nicht erkenntlich, dass es sich um Lampedusa handelt, denn der Ort könnte auch genausogut ein anderer, beliebiger, am Mittelmeer sein.

Erst beim Lesen der dazugehörigen Begleittexte, die auf mitnehmbaren Kärtchen gedruckt sind, wird erkenntlich, weshalb Eva Leitolf die Orte fotografiert hat.
Dies ist aber schon vorher in der Motivik erkenntlich, z. B. in der durch den Sturm zerissenen Coca-Cola Fahne am Strand von Tarifa in Spanien. Hier war während eines Sturmes ein schwerer Unfall, und 23 Einwanderer sanken im Boot.

Die Flüchtlingsdramen, an den jeweiligen Orten, die Eva Leitolf besuchte, recherchierte sie in zugänglichen Zeitungen, Polizeiakten, oder durch Befragungen von Flüchtlingen und Hilfsorganisationen.

Playa de Los Lances, Tarifa, Spanien 2009
Playa de Los Lances, Tarifa, Spanien 2009

Diese Ereignisse “lassen sich nicht in einem Foto oder einer Reportage fassen”, sagt Eva Leitoff in einem YouTube Video auf ihrer Website. Die Bedeutung des Bildes als Leerstelle, als leerer Raum oder Bühne sei ein ganz wichtiger Aspekt ihrer Arbeit. Damit entfalte sich die Geschichte erst im Kopf des Betrachters (mehr erklärt Leitolf auf http://www.evaleitolf.de/interviews.html)

Es gibt keine Spuren von den Ereignissen in den Bildern, da sie die Orte auch lange nach den Ereignissen besuchte. In einer Welt, die überladen von Bildmedien ist, überlässt dies dem Betrachter eine Möglichkeit zur Reflektion (ein Interview mit Leitolf findet sich auf http://www.landscapestories.net/interviews/eva-leitolf?lang=en).

Gunter Damisch: “Makro Mikro”

Der 55-jährige Oberösterreicher und Wiener Akademie Professor hatte in der Albertina im Sommer 2013 seine große Retrospektive.

55-year old Upper-Austrian and professor of the academy of Fine Arts had his great retrospective in summer 2013 in the Albertina Museum Vienna. 

Collagen scheinen ein Trend in der derzeitigen Kunstszene zu sein. Auch zu Gunter Damisch’s technischen Oevre gehören sie. In der großen Albertina Retrospektive sind Ausschnitte aus Zeitungen und Holzschnitten in die großformatige Bildfläche eingebracht und übermalt. So wie wir als Kinder Masken hergestellt haben, sind sie mit Kleister übermalt.

Serielle Wiederholungen sind seit Warhol’s Zeiten in der Kunst nicht wegzudenken. So finden sich immer die gleichen Arten von Strukturen: wie Ameisen, Rippen aussehend, Profile von Reifen – oder: Mikroorganismen. Diese zeigen eine Art von Transparenz und finden sich in verschiedenen Farbkompositionen wieder. Interessant ist die unendliche Vielfalt von Abwandlungen, die Damisch in einem so begrenzten Rahmen herstellt: In der Betonung der Bildfläche (oben – unten), oder in Kontrasten, wie man sie von der alten Film-Fotografie her kennt (positiv-negativ). Makro-Mikro: der Titel verweist einerseits auf mikroskopartig kleine Strukturen, die der Mensch nicht mit bloßem Auge sehen kann, oder der makroartigen Vergrößerung von kleinen Motiven, die Fotografen künstlerisch und publizistisch erfahrbahr machen und in unsere Welt zurückholen.

Diese Ausstellung war bis 22. September in der Albertina zu sehen. Siehe: http://www.albertina.at

Alle Abbildungen (c) Gunter Damisch, Fotos: Günter König, Pressematerial von der Albertina Website

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Works in collages seem to be a trend in the current art world. They belong also to Gunter Damisch’s technical oevre. Into the large format canvas I see cuttings from newspapers and engravings, that are partly covered with paint. Like children, who create masks with glue, the canvases are repainted with paste.

One cannot dismiss seriality in the arts since Warhol. In Damisch’s collages, there are always the same kinds of structures, that look like ants, ribs, profiles of tyres, or microorganisms. They show a kind of transparency and reappear in different colour compositions. Interesting are the infinite varieties of modifications, that Damisch produces in such a confined frame: Emphazising the picture plane (above – under), or working with contrasts, similar to the positive-negative distinction when developing films in photography.

Makro Mikro: The title refers to microscopic small structures, that human beings cannot see with mere eyes, and, on the other hand, to macroscopic enlargements of small motivs, that photographers make comprehensible artistically and journalistically, and bring them into our world. One could interpret these abstractions in many aspects: Sociologically, geographically, geologically, mineralogically, to just name a few. To show the world in different aspects was always his aim: “Die Aufhebung der Eindeutigkeit ist mir wichtig, das Sowohl-als-auch, die Herstellung von Vieldeutigkeit”.

http://www.gunter-damisch.at

On view until 23rd of February also at Landesgalerie St. Pölten

Saul Leiter in der Hackel Bury Gallery / Saul Leiter at Hackel Bury Gallery

Nicht unschwer zu finden war die Information, dass Saul Leiter eine Ausstellung in der Londoner Galerie Hackel Bury hatte. Beim erstmaligen Besuch folgte dann aber die Enttäuschung, als an besagtem Ort nach längerem Weg von der Station High Street Kensington nur fünf Fotos von Saul Leiter zu sehen waren. Das Hauptaugenmerk der Galeristen lag dagegen auf seinen Malereien. Das ist verständlich, da Saul Leiter von seiner Ausbildung her aus der Malerei kam. Die Bilder sind abstrakt, und es finden sich nur Andeutungen von Figuren oder Landschaften.

Die Galerie Hackel Bury ist sehr klein, und liegt am äußerst pittoresken, mit Blumen beschmückten Launceston Place im reichen Stadtteil Knightsbridge/South Kensington. Hier leben eher luxuriöse und äußerst vermögende Londoner (erklärbar durch die Nähe zu Chelsea), die aber einen ausgeprägten Kunstsinn haben. Das Royal College of Art ist nicht weit entfernt, und gleichzeitig sind viele Kunstgewerbe wie Goldschmiede anzutreffen, denen man, falls warmes Wetter ist, bei offener Tür bei der Arbeit zuschauen kann. Die Architektur ist sehr oft in purem Weiß, und entstand im Zuge der Bebauung in der zweiten Hälfte des 19. Jh., nach der Errichtung des Kristallpalastes im Hyde Park.

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It was quite easy, to find the information about Saul Leiter’s exhibition at the London gallery Hackel Bury Fin.  Arriving there, I was disappointed. After a long walk from High Street Kensington I could see just five photos of Saul Leiter. In contrast, the art dealer’s main focus was on the paintings by Saul Leiter. To say reasonably, because Saul Leiter was painter by education. The paintings are abstract, and there are just hints of figures or landscapes to see.

The Hackel Bury Gallery is very small, and is situated on a very picturesque, with flowers decorated Launceston Place in the rich district Knightsbridge/South Kensington. Here, more luxurious and very wealthy Londoners are living (explainable through the closeness to Chelsea), who have a distinctive sense for art. The Royal College of Art is close by, and at the same time you find many arts and craft shops, like goldsmiths. When the weather is pleasant warm, you can observe them at their work while they’re having their door open. The architecture is often in pure white, and originates in the city developments of the second half of the 19th century, after the construction of the crystal palace in Hyde Park.

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Abb. oben: Stadtteil Knightsbridge/South Kensington. (c) Johannes Deutsch

Above: District Knightsbridge/South Kensington. (c) Johannes Deutsch

Abb. unten: Saul Leiter, New York , “Snow”, 1960 (li.) und “Canopy”, 1958 (re.). Die Ausstellung zeigte nur wenige Fotografien. Eine der berühmtesten Farbfotografien wie “Snow” war nicht zu sehen, aber umso mehr Wand gaben die Kuratoren Leiters Malerei. “Snow” ist wie alle anderen Fotografien als C-Print erhältlich, preislich beginnend bei 3700 Pfund. 

Below: Saul Leiter, “Snow”, New York 1960 (left), and “Canopy”, 1958 (right). The exhibition showed just a few photographs. The gallery didn’t show one of the most famous colour photographs like “Snow”, but instead they focused on Leiter’s paintings. “Snow” is like every other photographs for sale as C-print, starting with 3700 pounds. 

Die Ausstellung war bis 27. Juli 2013 zu sehen. / The exhibition was on view until 27 July 2013.

(c) Fotografien von Saul Leiter / Photographs by Saul Leiter: www.jacksonfineart.com

Galerie und Information / Gallery and information: www.hackelbury.co.uk